Hannover – Von der Residenzstadt bis zur Weltausstellung

Hannover ist die Hauptstadt des Bundeslandes Niedersachsen und steht mit seinen über 520.000 Einwohnern an Platz 11 der Liste der deutschen Großstädte. Urkundlich erwähnt wurde Hannover erstmals 1150. Von Heinrich dem Löwen ausgebaut, erhielt die Stadt 1241 die Stadtrechte. 1350 kommt es zur Befestigung der Ansiedlung mit einer Stadtmauer. In dieser Zeit erleben die rund 4.000 Einwohner eine wirtschaftliche Blütezeit. Hannover wird zudem Hansestadt. Als die Reformation Einzug hält, wird diese in der Leinestadt mit offenem Armen empfangen: 1533 bekennt sich eine Bürgerversammlung zu Luthers Worten und Gedanken und vertreibt den katholischen Stadtrat. Mitten in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, während denen Hannover nie von der Katholischen Liga erobert werden konnte, macht Herzog Georg von Calenberg die Stadt 1636 zu seiner Residenzstadt. Die Bauten dieser Epoche prägen noch heute das Stadtbild. Die Jahre ziehen ins Land, Herzöge und Kurfürsten führen die Geschicke der Stadt, bis der Kurfürst Georg Ludwig von Hannover 1714 als Georg I. den britischen Thron besteigt und Hannover mehr oder weniger seinem Schicksal überlässt.

Das neue Rathaus
Das neue Rathaus in Hannover

Das Stadtbild leidet darunter sehr, das Schloss steht leer und die dazugehörigen Gärten veröden. Die Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover endet 1837 mit der Inthronisierung von König Ernst August in Hannover. Auch der Fortschritt macht vor der Stadt nicht Halt: 1825 ist Hannover die erste Stadt Europas, deren Straßen mit Gaslaternen beleuchtet werden, 1843 feiern die Bürger den Anschluss an das Eisenbahnnetz, 1859 leben 68.000 Menschen dort. Sieben Jahre später annektiert Preußen das Königreich Hannover, was vor allem wirtschaftliche Vorteile für die Bürger nach sich zieht, die die Stadt wachsen lassen: die 100.000er Einwohnergrenze kann 1873 überschritten werden.

Durch Fortschritt und vor allem durch das Eingemeinden von Vororten wächst die Zahl der Einwohner rasant. 1920 können bereits über 400.000 Einwohner gezählt werden. Die Deutschen hatten schon Jahre zuvor der Monarchie ein Ende gesetzt, den Kaiser außer Landes gejagt und die ersten zarten Blüten der Demokratie waren auch in Hannover erkennbar. Erster Oberbürgermeister wird 1918 ein Sozialdemokrat. Doch leider sollte sich die Demokratie nicht durchsetzen und bereits 1937 waren das Amt des Oberbürgermeister sowie der Stadtrat mit Nazis durchtränkt. Wie überall in Deutschland sind auch in Hannover Menschen aufgrund ihres Glaubens, ihrer Weltanschauung oder aus ethnischen Gründen verfolgt worden. Lebten 1938 noch 4.800 Juden in Hannover, so waren es bei Kriegsende nicht mal mehr 100.

Als bedeutender Verkehrsknotenpunkt und Industriestandort war Hannover Ziel zahlreicher Luftangriffe, bei denen rund 7000 Menschen den Tod fanden. Die Innenstadt wurde bis zu 90% zerstört. Die Stadt hatte mehr als die Hälfte der Einwohner durch Deportation, Vertreibung, Flucht, Evakuierung und den Bombenkrieg verloren. Der Wiederaufbau nach dem Krieg war vor allem von einem Ziel gekennzeichnet: Hannover sollte autogerecht werden! Die Innenstadt war von nun an mit mehrspurigen Straßen umgegeben, der Fernverkehr wurde mittels Schnellstraßen aus dem Stadtgebiet ferngehalten. Der historische Grundriss Hannovers war kaum noch wieder zu erkennen. Ganze Stadträume sind geschaffen worden, die sogar ganz und gar von den historischen Grundrissen der Stadt abweichen. Das galt damals als modern und „amerikanisch“ und verhalf Hannover zu einer Bekanntheit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Seit 1947 findet die weltgrößte Industriemesse, die Hannover Messe, in Hannover statt. Leipzig als traditioneller Messestandort konnte nicht mehr in Betracht gezogen werden, schließlich lag die Stadt in der Sowjetischen Besatzungszone. Das Wirtschaftswunder sorgte dafür, dass 1954 in Hannover mehr als eine halbe Million Menschen lebte. Im Jahr 1965 beschloss der Stadtrat eine U-Bahn zu bauen und diese mit dem Netz der Straßenbahn zusammen zu schließen. Der Bau sollte bis 1993 dauern.

Der internationale Bekanntheitsgrad Hannovers explodierte im Jahr 2000 geradezu, denn zum ersten Mal fand eine Weltausstellung in Deutschland statt – und dann auch noch in Hannover! 155 Nationen und 18 Millionen Besucher nahmen an ihr teil. Heute ist Hannover das Zentrum Norddeutschlands und internationaler Messestandort.

Wussten Sie, dass...

  • Ferdinand Sichel 1881 den ersten gebrauchsfertigen Tapetenkleister in Hannover erfunden hat
  • Schallplatte und Grammophon aus Hannover kommen – Emil Berliner heißt der Erfinder (1887)
  • Karl Jatho 1903 das erste Motorflugzeug Deutschlands in Hannover gebaut hat und am 18. August 1903 – vier Monate vor den Gebrüdern Wright – einen Flug damit gewagt haben soll
  • Im Jahr 1924 in Hannover das erste am Fließband gebaute Auto Europas produziert wurde
  • Rudolf Augstein 1947 in Hannover das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ gründete
  • Walter Bruch 1962 in Hannover das PAL-Farbfernsehsystem erfunden hat